Die kindliche Sprachentwicklung

“Die Sprache gleicht dem im Stein schlummernden Feuerfunken. Ehe man gelernt hatte, ihn hervorzulocken, schien sein Dasein nur durch ein Wunder erklärlich. Einmal entzündet, pflanzte er sich mit unglaublicher Leichtigkeit fort.”

Wilhelm von Humboldt

Die Fähigkeit zum Spracherwerb ist angeboren.

Entscheidend ist, welche Sprache das Kind hört. Es wird die Sprache erwerben, die Mutter, Vater oder andere Bezugspersonen sprechen.
Die kindlichen Strategien Sprache zu erwerben sind weltweit gleich:

  • Imitation, d.h. Wörter, Ausdrücke, Redewendungen werden nachgesprochen.
  • Generalisierung, d.h. Wörter werden erst einmal universell eingesetzt, bevor die Feinheiten unterschieden werden, z.B. sagt das Kind zu allen Vierbeinern erst einmal „wau-wau“.
  • Wiederholungen sind für die Festigung des neu erlernten unabdingbar.
  • Fragen zeigen Neugierde und Lernfähigkeit, ohne sie gibt es kaum Fortschritte.
  • Kreativität zeigen Kinder indem sie neue Wörter aus bekannten „erfinden“ z.B. „ich bese das Zimmer“
  • Aufmerksamkeit und Zuwendung werden von den Kindern eingefordert, denn ohne sie ist keine Entwicklung möglich.


Ein gutes Hörvermögen ist die Voraussetzung für einen reibungslosen Spracherwerb. Ein gehörloses Kind „verstummt“ zwischen dem 5. und 6. Monat.

Nur in der Interaktion/Kommunikation mit einem anderen Menschen lernt das Kind Sprache.

Fernseher oder Kassetten sind kein lebendiges Gegenüber und damit kein Ersatz.

Faktoren für eine gute Kommunikation

  • Herstellen von Blickkontakt – schon Neugeborene haben eine Vorliebe für Gesichter, Stimmen und Sprache. Das Kind sucht sich im Blick des anderen.
  • die Liebe zwischen Bezugspersonen und Kind
  • die Suche nach emotionaler und körperlicher Nähe
  • das dringende Bedürfnis, mit anderen zu kommunizieren
  • Neugier, Motivation, Aufmerksamkeit, Wille, Erkundungsbedürfnis
  • Erkennen von Emotionen durch Sprachmelodie, Gestik und Mimik
  • Gesprächsverhalten (Beginnen, Aufrechterhalten und Beenden eines Gesprächs)
  • Beherrschung von Redekategorien  z.B. Frage – Antwort
  • Unterschiedliche Spielformen: z.B. Rollenspiel, Regelspiel

 

Vorsprachliche Fähigkeiten

Die Sprache der Gefühle ist im 1. Lebensjahr ausschlaggebend

Gefühle sind Bestandteil und Voraussetzung der geistigen Entwicklung oder Kognition. Kognition ist die Entwicklung aller Funktionen beim Kind, die zum Wahrnehmen eines Gegenstandes oder zum Wissen über ihn beitragen.

Gefühle drückt das Baby folgendermaßen aus:

  • Stimme/Laute
    • positiv: plappern, quietschen, lachen …
    • negativ: schreien, quengeln, weinen …
  • Mimik
    • positiv: sucht und hält den Blick, strahlt, lächelt, zeigt Freude, Interesse, Überraschung …
    • negativ: Anspannungen, wendet den Blick ab, reagiert nicht auf Ansprache, zeigt Furcht, Ärger, Traurigkeit, Wut…
  • Gestik und Körpersprache
    • positiv: Hinwendung zum Gesicht, den Augen und der Stimme, sich trösten und beruhigen lassen, die Körperspannung ist ausgeglichen.
    • negativ: körperliche Anspannung, abwenden, die Ansprache wird ignoriert und der Blickkontakt vermieden.

Im Austausch der Blicke findet das Leben statt

Der Blickkontakt ist das wichtigste Kommunikationsmittel in der vorsprachlichen Zeit.
Über Schauen und Beobachten erkennt das Kind Zusammenhänge und Verbindungen zwischen Ereignissen und sich selbst.

Das Baby wird zu wechselseitig abgestimmten „Unterhaltungen“ fähig. Diese Gespräche erlebt es im glücklichen Miteinander von Angesicht zu Angesicht.

 

Störungen der Sprachentwicklung

Wenn die Leichtigkeit des Spracherwerbs fehlt

Da die Grundlagen für eine gute Sprachentwicklung bereits im Säuglingsalter gelegt werden, sollte eine therapeutische Intervention nicht zu spät erfolgen. Kinder sind im Alter zwischen 1 und 3 Jahren besonders sensibel für das Lernen von Sprache. Bis zum 3. Lebensjahr beherrschten sie fast alle Laute und sprechen in grammatikalisch korrekten Formen. Daher sind auch sprachtherapeutische Maßnahmen in dieser Phase besonders effektiv (vgl. Grimm, 2003b).
Risikokinder sollten so früh wie möglich erkannt und rechtzeitig therapiert werden. So können die Defizite schnell aufgeholt werden und damit werden der Schweregrad einer Sprachentwicklungsstörung positiv beeinflusst und spätere meist langwierige Therapien vermieden. Spätfolgen wie einer Sonderbeschulung oder einer Lese-Rechtschreibschwäche können so vorgebeugt werden.

Störungen in der Sprachentwicklung erschweren die soziale Einordnung und hemmen somit auch die emotionale und geistige Entwicklung.

Der Verlauf der Sprachentwicklung kann sehr unterschiedlich sein. Der Normbereich ist relativ groß. So kann es z.B. sein, dass ein 2jähriges Kind Geschichten in grammatikalisch korrekten Sätzen erzählt oder auch „nur“ in Zweiwortsätzen kommuniziert.
Verzögerungen sind von Störungen oft nur schwer zu unterscheiden und bedürfen einer eingehenden Sprachdiagnostik. Wenden Sie sich deshalb bei Unsicherheiten an Ihren Kinderarzt oder suchen Sie ein Beratungsgespräch bei einem Logopäden.

In den nachfolgenden Sprachentwicklungstabellen ist aufgezeigt bis zu welchem Alter eine sprachliche Form beherrscht werden sollte.

 

Überblick der Sprachentwicklungsbereiche anhand der U-Untersuchungen

Sprachverständnis:

U 6 | 10. - 12. Lebensmonat

  • reagiert auf seinen Namen, indem es sich zum Sprecher wendet.
  • reagiert auf die Aufforderung „Komm her!“, indem es kommt.

U 7 | 21. - 24. Lebensmonat

  • Der passive Wortschatz (Wörter die das Kind versteht, unabhängig ob es sie selbst spricht) umfasst ca. 200 Wörter
  • Es versteht einfache Aufforderungen, z.B. „Hol die Puppe“, „Zeig mir den Stuhl“

U 7 1/2 | 32. - 36. Lebensmonat

  • Versteht Zweifachaufträge, z.B. „Lege den Löffel in die Tasse!“
  • Kann Grundfarben zuordnen
  • Versteht einfache Präpositionen (in, unter)

U 8 | 43. - 48. Lebensmonat

  • Versteht Mehrfachaufträge,  z.B. „Nimm einen blauen Stein und lege ihn auf den Tisch!“
  • Kann Farben zuordnen
  • Versteht Präpositionen (auf, unter, zwischen ...)

U 9 | 58. – 64. Lebensmonat

  • Befolgt drei Aufträge in korrekter Reihenfolge
    z.B. „Nimm das kleine Pferd und stelle es hinter das große Haus!“

Sprachproduktion - Artikulation, Lauterwerb:

U 5 | 6. - 12. Lebensmonat

  • Mit 6 Monaten beginnt das Silbenplappern, Konsonant-Vokal-Silben z.B. da-da, ma-ma werden wiederholt. Die Laute werden immer mehr an die Muttersprache angepasst.

Wenn die Lautproduktion bei Kinder mit 6 Monaten nicht weitergeht, sollte eine Gehörüberprüfung veranlasst werden. Gehörlose Kinder bilden keine Lallsequenzen.

U 6 | 10. - 12. Lebensmonat

Gesten

  • ahmt kulturabhängige Gesten wie „winke-winke“ nach
  • zeigt auf den Gegenstand, den es haben möchte.
  • Kopfschütteln, wenn es etwas nicht will und Nicken, wenn es einverstanden ist.

Sprachlich:

  • produziert mehrsilbige Lautketten mit unterschiedlichen Vokalen und Konsonanten. z.B. mapa
  • versucht Wörter und Geräusche nachzuahmen.
  • spricht erste Wörter wie „Mama“, „nein“, „wau-wau“

Einige Alterstypische Vereinfachungsprozesse:

  • Silbenverdoppelung, z.B. statt Ball – „baba“

U 7 | 21. - 24. Lebensmonat

  • produziert alle Vokale (a, e, i, o, u, au, ei, eu)
  • die Laute m, b, p, d, t, n und l werden meist beherrscht
  • die Laute f, w, g, k sind im Entstehen.

Alterstypische Vereinfachungsprozesse

  • Auslassung unbetonter Silben, z.B. statt Banane – „nane“.
  • Lautauslassungen, -vereinfachung oder -ersetzungen
    z.B. Löffel – „löffe“, Brot – „bot“, Schuh – „tu“

U 7 1/2 | 32. - 36. Lebensmonat

  • Spricht alle Laute korrekt, bis auf die   Zischlaute „s, sch, ch, r.“
  • erste Konsonatenverbindungen: z.B. „bl, fl“

Einige alterstypische Vereinfachungsprozesse:

  • Vereinfachung von Konsonatenverbindungen
  • Lautersetzungen:“ schuh → su“, „ ich → is“
  • Lautangleichungen: „Treppe → Kreppe“

U 8 | 43. - 48. Lebensmonat

  • Spricht alle Laute korrekt, bis auf „s“„sch“„r“
  • alle anderen Konsonantenverbindungen z.B. kn, kl, pf, pfl werden beherrscht.

Bei Problemen mit den Lauten w, f, ch, k, g sollte mit einer logopädischen Therapie begonnen werden.

U 9 | 58. – 64. Lebensmonat

  • spricht alle Laute korrekt.

Bei Problemen mit „sch“, „r“ und „s“  sollte möglichst zügig ein Logopäde aufgesucht werden, damit bis zum Schuleintritt alle Laute beherrschen werden.

Wortschatz:

U7 | 21. - 24. Lebensmonat

Wortschatzexplosion
mit 18 Monaten spricht das Kind etwa 50 – 200 Wörter:

  • Substantive z.B. Körperteile, Spielsachen
  • Funktionswörter z.B. „da“, „mehr“, „auch“.
  • erste Verben z.B. „aufmachen“, „zu“

Wenn das Kind mit 24 Monaten noch keine 50 Wörter spricht zählt es zu den sogenannten „Late-talkern“ und es sollte eine entsprechende kinderärztliche Diagnostik und eine logopädische Befunderhebung veranlasst werden.

U 7 1/2 | 32. - 36. Lebensmonat

Spricht mit 30 Monaten ca. 450 Wörter

  • gebraucht Verben, Adjektive, Adverbien,Artikel
  • erste Präpositionen: z.B. „in“, „unter“
  • Personalpronomen: z.B. „ ich“, „du“, „mein“
  • benennt Grundfarben

U 8 | 43. - 48. Lebensmonat

  • weitere Präpositionen, z.B. „neben“, „vor“
  • benennt Farben korrekt
  • zählt bis 4

U 9 | 58. – 64. Lebensmonat

  • Verwendet Oberbegriffe: z.B. „Fahrzeuge, Möbel ...“
  • benutzt abstrakte Begriffe: z.B. „Glück“
  • zählt bis 10

Grammatik:

U7 | 21. - 24. Lebensmonat

  • spricht Zweiwortsätze, z.B. „Puppe schlafen“, „Ball haben“
  • benutzt Negationswörter, z.B. „Nicht haben!“
  • Erstes Fragealter: Einwortfragen mit steigender Betonung, z.B. „Is das?“

U 7 1/2 | 32. - 36. Lebensmonat

  • Korrekte Verbzweitstellung, z.B. „Lisa trinkt Wasser“, „Morgen kocht die Mama Suppe“, „Waschpulver kauft die Oma“
  • Verbindung -st: „ Du bist .....“, du kaufst, du gehst ……..
  • Nebensatzbildung mit einfachen Bindewörtern, z.B. „und“, „weil“, „denn“
  • zweites Fragealter: „Wer? Was? Warum?“ etc.

Wenn keine korrekte Verbzweitstellung (z.B. „Lisa Wasser trinken“)  vorliegt, sollte nach Rücksprache mit dem Kinderarzt eine logopädische Diagnostik erfolgen.

U 8 | 43. - 48. Lebensmonat

  • Verbzweit-/-endstellung in Haupt-/ Nebensätzen korrekt: „Ich gehe ins Bett, weil ich müde bin.“
  • Korrekte reguläre Verbflexion, z.B. „ich mache, du machst, ich sehe, du siehst ....“
  • Vergangenheits- und Zukunftsformen
  • singt Lieder, spricht Verse

U 9 | 58. – 64. Lebensmonat

  • Verwendet korrekte Pluralformen, z.B. „Haus-Häuser, Stein–Steine, Kirsche-Kirschen“
  • Zeigt noch Unsicherheiten bei verneinten Sätzen, Fragen- und Passivsätzen
  • Erzählt kleine Geschichten

Fragebögen um die Entwicklung ihres Kindes einzuschätzen:
18–20 Monate http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/publikationen/frabo_cplol_eltern18bis20de.pdf
2 ½ Jahre http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/publikationen/frabo_cplol_eltern30de.pdf
4 ½ Jahre http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/publikationen/frabo_cplol_eltern54de.pdf

Faltblatt: Wie spricht mein Kind?
http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/publikationen/fb_wie_spricht_mein_kind_dt.pdf
Meilensteine der Sprachentwicklung von Geburt bis zum 5. Lebensjahr
http://www.dbl-ev.de/index.php?id=879

Faltblätter zu den logopädischen Störungsbildern:
http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/publikationen/fb_sprachstoerungen_kinder.pdf
http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/publikationen/fb_sprechstoerungen_kinder.pdf
http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/publikationen/fb_stimmstoerungen_kinder.pdf
http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/publikationen/fb_schluckstoerungen_kinder.pdf

 

Sprechflüssigkeit

Im 4. Lebensjahr können bei einigen Kindern normale Unflüssigkeiten auftreten, die weder vom Kind noch von den Eltern als auffällig empfunden werden: Wiederholungen von Satzteilen und langsame Wiederholungen von ganzen Wörtern. Ein Beispiel: „Ich will, ich will, ich will den Saft haben“.

Achtung:  alarmierende Signale für einen möglichen Stotterbeginn sind:

  • Wiederholungen von Lauten und Silben,
  • Verlängerungen von Lauten und
  • Blockierungen von Wörtern oder in einem Wort.

Eine rechtzeitige logopädische Beratung und gegebenenfalls eine Therapie kann chronisches Stottern und damit oft verbundene Sprechvermeidung, Störungsbewusstsein und sozialem Rückzug weitgehend verhindern.

Wie kann Redeflussstörungen vorgebeugt werden?

Bei fast allen stotternden Erwachsenen ist die Störung im Kindesalter entstanden. Menschen, bei denen das Stottern bis ins Erwachsenenalter fortbesteht, haben fast keine Chance mehr, das Stottern zu verlieren. Daher ist es wichtig, stotternde Kinder möglichst früh (ab dem 2. Lebensjahr) zu erkennen und bei Bedarf zu behandeln, damit eine Rückbildung unterstützt werden kann. Dennoch kann auch bei einer frühen Therapie nicht vorhergesagt werden, welche Kinder ihr Stottern verlieren werden.

http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/publikationen/fb_sprechstoerungen_kinder.pdf


Wenn Ihr Kinderarzt/Hausarzt/HNO-Arzt eine Sprachentwicklungsstörung feststellt wird er eine Verordnung (Rezept) für Logopädie ausstellen.
Diagnostiziert er eine Sprachentwicklungsverzögerung wird er zunächst abwarten. Falls sie trotzdem zur Förderung ihres Kindes etwas unternehmen möchten, so besuchen Sie unsere Seiten der Akademie für Entwicklung und Entfaltung. Dort finden Sie hilfreiche Angebote.

Wie kann ich die Sprachentwicklung meines Kindes fördern?

Sprachanregung im Alltag:

  • Helfen Sie dem Kind Gedanken und Gefühle zu ordnen und auszudrücken.
  • Ermutigen Sie es Schnuller und Nuckel aufzugeben.
  • Lesen Sie Geschichten vor.
  • Wechseln Sie sich mit dem Kind beim Erzählen ab.
  • Hören Sie dem Kind aufmerksam zu.
    Schauen Sie ihr Kind an, wenn Sie mit ihm sprechen oder es Ihnen etwas sagen möchte. Nehmen Sie sich Zeit und haben Sie Geduld bis das Kind die richtigen Worte findet. Unterbrechen Sie es nicht und nehmen Sie ihm nicht die Worte aus dem Mund.
  • Drücken Sie sprachlich aus, was Sie verstanden haben!Stellen Sie das Kind bewusst in den Mittelpunkt des Gesprächs. Dies gelingt durch Anteil nehmendes Zuhören und aktives Ausdrücken dessen, was Sie verstanden haben. Berücksichtigen Sie neben den Worten, seine Empfindungen und Gefühle. Wenn Sie ihr Kind nicht verstanden haben, fragen Sie nach – es merkt sehr wohl, wenn Sie es nicht verstanden haben und sie einfach nur „ja, ja“ sagen, um nicht näher darauf eingehen zu müssen.
  • Nehmen Sie auch Äußerungen mit Sprachstörungen unbefangen an! Gehen Sie positiv darauf ein – reagieren Sie auf den Inhalt, nicht auf die fehlerhafte Form.
    → Kritik hemmt Sprechfreude. (Auch unbewusste Reaktionen beachten!)
  • Wiederholen Sie selber korrekt, was das Kind nicht richtig gesagt hat! Ohne dass sich das Kind korrigiert fühlt oder gar etwas wiederholen soll!! z.B. Kind:“Puppe tämmt“ Erw.: „Oh ja, die Puppe hast du sehr schön gekämmt. Bist du heute ein Friseur?“  So erhält es eine inhaltlich bestätigende Rückmeldung, und zwar in sprachlich korrigierter Form. Folglich fühlt es sich nicht bestraft, sondern es erhält einen sehr wirkungsvollen Sprechimpuls, der sich hilfreich auf seine Sprachentwicklung auswirkt.
  • Eigene Handlungen und die des Kindes versprachlichen, so erkennt es die Bedeutung von Begriffen und kann sie leichter verstehen und erwerben. Auch Erwachsene müssen ein Wort 60 – 80 mal gehört haben, bevor sie es in ihren Wortschatz aufnehmen.
  • Begreifen Sie sich als Sprachvorbild! Kinder lernen vieles durch Nachahmung, auch Sprache. Achten Sie selbst darauf, dass Sie klar und deutlich sprechen. Dabei dürfen Sie gerne den familiären Dialekt benutzen, versuchen Sie nicht krampfhaft Hochdeutsch zu sprechen. Hilfreich ist es in einfachen, aber vollständigen und richtigen Sätzen und nicht zu schnell zu Sprechen. Besonders wichtig ist auch der Wechsel zwischen Sprechen und Zuhören.
  • Ermutigen Sie ihr Kind sich verbal zu äußern. Evtl. über Alternativfragen – z.B „Möchtest du einen Apfel oder eine Birne?“ oder „Hilfst du mir beim Tischdecken? Nimmst du die Teller oder das Besteck?“
    Vermeiden Sie einfach Ja/Nein-Fragen, sie regen nicht zum Sprechen an.
    Sprache kann gut in fast jedes Spiel eingebaut werden, z.B. bei Memory: Karten beim umdrehen benennen. „Ich habe einen Schuh und eine Katze. Die Bilder passen nicht zusammen.“  Beim Versteckspielen: „Wo ist die Lisa. Die Lisa ist unter dem Tisch. Nein. Die Lisa ist hinter der Pflanze. Nein. Die Lisa ist hinter dem Vorhang. Ja!“
    Wenn Sie mit dem Kind frei spielen z.B. Lego bauen oder Kaufladen spielen, überlassen Sie dem Kind die Führung und fragen nach, wie das Spiel ablaufen soll und was Sie machen dürfen oder sollen.
    Gehen Sie nicht einfach auf nonverbale Äußerungen, wie z.B. Gesten, ein, sondern motivieren sie es durch Alternativfragen o.ä. zum Sprechen.
    Loben Sie alle Sprechversuche, auch wenn sie am Anfang noch nicht so gut und fehlerhaft sind.
  • Fördern Sie den Entdeckungsdrang des Kindes über konkrete Erlebnisse (z.B. Spaziergänge im Wald, Tiergarten, Bahnhof, Schwimmbad etc.), Rollenspiele, Lieder, Bilderbücher usw.
  • Hören und singen Sie gemeinsam einfache Kinderlieder und Reime.
  • Fördern Sie die Geschicklichkeit Ihres Kindes. Kinder mit Sprachstörungen zeigen oft Auffälligkeiten in der Motorik. Machen Sie Ballspiele, gehen zum Turnen oder Schwimmen. Ermuntern Sie das Kind zum Malen oder Basteln.
  • Bei Problemen mit der Mundmotorik, lassen Sie Ihr Kind viel kauen (Nüsse, rohes Obst u.ä.). Machen Sie Zungenkunststücke und Blase- und Pustespiele.
  • Stellen Sie das Kind bewusst in den Mittelpunkt des Gesprächs. Dies gelingt durch Anteil nehmendes Zuhören und aktives Ausdrücken dessen, was Sie verstanden haben. Berücksichtigen Sie neben den Worten, seine Empfindungen und Gefühle.

Vom Verband der Logopäden werden verschiedene Informationen angeboten.
Ist ihr Sprachverhalten förderlich?
http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/1_eltern_patienten_etc/fuer_eltern/ist_ihr_sprachverh_foerdelich.pdf
Förderung der kindlichen Sprachentwicklung bis zum 1. Lebensjahr.
http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/publikationen/foerd_kindl_se0bis1de.pdf
Förderung der kindlichen Sprachentwicklung im 1.-2. Lebensjahr
http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/publikationen/foerd_kindl_se2de.pdf
Förderung der kindlichen Sprachentwicklung im 2.-3. Lebensjahr
http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/publikationen/foerd_kindl_se2bis3de.pdf
Förderung der kindlichen Sprachentwicklung im 3-4. Lebensjahr
http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/publikationen/foerd_kindl_se3bis4de.pdf
Tipps für Eltern mehrsprachig aufwachsender Kinder
http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/publikationen/elterninfo_mehrsprachigkeit.pdf
Checkliste der allgemeinen kindlichen Entwicklung
http://www.dbl-ev.de/fileadmin/media/1_eltern_patienten_etc/fuer_eltern/checkliste_allg_entw.pdf

 

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